1848-1891 Freisinnige Dominanz:
Die freisinnigen Kräfte gingen aus
dem Sonderbundskrieg von 1847 gegen die konservativ-katholischen Kantone als
Sieger hervor. In der Folge vermochten sie die erste Bundesverfassung sowie
das Geschehen der ersten Jahrzehnte des Bundesstaates zu dominieren. Mit
einer deutlichen Mehrheit im Parlament stellten sie während über 40 Jahren
alle sieben Mitglieder des Bundesrates.
1891-1919 Erster Konservative:
Die Konservativen verstanden es, mit
den 1874 und 1891 erweiterten Volksrechten Druck auf die Regierung auszuüben.
Nachdem das Volk die Verstaatlichung der Eisenbahnen an der Urne verworfen hatte,
demissionierte der verantwortliche freisinnige Bundesrat. Die Freisinnigen
reagierten auf diese Staatskrise mit der Wahl des ersten katholisch-konservativen
(Vorläufer der Christlichdemokratischen Volkspartei CVP), Josef Zemp in die
Bundesregierung.
1919-1929 Einführung des Proporz:
1918 wurde das Proporzsystem für die Wahl
des Nationalrats nach zwei erfolglosen Versuchen (1900 und 1910) eingeführt. Die
proportionale Vertretung führte zu einem deutlichen Sitzverlust der Freisinnigen
und zum Aufstieg der Sozialdemokraten. Freisinn und Konservative mussten gegen
diese neue Opposition von links vermehrt zusammenarbeiten. Die
katholisch-konservative Partei konnte in dieser Allianz eine zweite
Vertretung im Bundesrat beanspruchten.
1929-1943 Einzug der SVP:
Bei einer Zweier-Vakanz gelang der
Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei (Vorläufer der Schweizerischen Volkspartei
SVP), mit Rudolf Minger den Einzug in die Landesregierung 1929.
1943-1953 Erster Sozialdemokrat:
Dem Druck der Krise der 30er
Jahre und dem 2. Weltkrieg konnte die bürgerlich-konservative Zusammensetzung des
Bundesrates nicht standhalten. Die Sozialdemokraten verbuchten Wahlerfolge und
wurden zur erfolgreichsten Partei im Nationalrat. Nach mehreren Versuchen wurde
1943 der erste Sozialdemokrat, Ernst Nobs in den Bundesrat gewählt. Wieder mussten
die Freisinnigen einen Sitz abgeben.
1953-1954 Demission des SP-Bundesrates:
Für kurze Zeit gelang es den
Freisinnigen 1953 einen vierten Sitz zurück zu gewinnen. Ein sozialdemokratischer
Bundesrat hatte wegen einer gescheiterten Finanzreform demissioniert und beförderte
damit die SP in die Opposition zurück.
1954-1959 Rückfall der FDP:
Der vierte Sitz konnten die Freisinnigen
nicht lange halten. Nach nur einem Jahr setzte sich die Zusammensetzung drei Freisinnige,
drei Konservative und ein Vertreter der Bauernpartei durch.
1959-2003 Zauberformel:
Mit dem Rücktritt von vier Bundesräten im
Jahre 1959 wurde eine grundlegende Neugestaltung der Regierungszusammensetzung
möglich. Mit der Unterstützung der Konservativen gewannen die Sozialdemokraten
zum ersten Mal zwei Sitze. Die neue Formel bestand aus 2 Freisinnigen, 2
Sozialdemokraten, 2 Christlichdemokraten und einem Vertreter der Schweizerischen
Volkspartei. Somit waren alle grossen, referendumsfähigen politischen Lager in
die Regierungsverantwortung eingebunden.
2003-2005 Ende der Zauberformel:
2003 vermochte die SVP, die in einem
kontinuierlichen Aufstieg zur wählerstärksten Partei in der Schweiz geworden ist,
mit ihrer charismatischen Galionsfigur Christof Blocher der CVP einen Sitz streitig
zu machen. Somit wurde die über 50 Jahre bestehende Zauberformel aufgelöst.